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Villa rustica - Binger Wald

 
In den Binger Waldfluren "Altes Kloster" und "Sulg" (heute Gemarkung Weiler) liegen die weitläufigen Ruinen einer römischen Villenanlage. Bereits 1779 fand hier eine der ersten Ausgrabungen auf rheinland-pfälzischem Boden statt.
Da die Fundstelle in den letzten Jahren zunehmend von Sondengängern aufgesucht wurde, entschloss sich die Direktion Landesarchäologie Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz im Jahr 1999, die Anlage wissenschaftlich zu dokumentieren und in Teilen auszugraben. In einem Kooperationsprojekt mit dem Internationalen Bund (IB), einem freien Träger der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit, wurde das Areal der Hofstelle systematisch erfasst und gesichert. Gefördert wird das Projekt u. a. durch das Arbeitsamt Mainz, den Kreis Mainz-Bingen, die Stadt Bingen und das Ministerium für Arbeit, Jugend und Soziales.
Abb. 1: Grundriß der HofanlageGrundlegende Basis für alle Arbeiten bildete ein mit Hilfe der Fachhochschule Mainz, Fachrichtung Geoinformatik und Vermessung erstellter Plan der ummauerten Hoffläche
(Dipl. Ing. Chr. Scherer).

[Abb. 1: Grundriß der Hofanlage]

 

Demnach umfasst das Hofareal eine L-förmige Fläche von ungefähr 3,5 ha. Bisher sind mindestens acht Wirtschaftsgebäude (Schuppen, Ställe, Speicher) und das zentrale Hauptgebäude (Wohnhaus) bekannt. Von 1999-2003 wurde das Hauptgebäude vollständig freigelegt. Es handelt sich um eine für die römischen Rheinprovinzen typische Porticusvilla mit Eckrisaliten, deren Front aus zwei Ecktürmchen und einer verbindenden Säulenhalle (porticus) besteht. Funde weisen auf eine Benutzungszeit des Hauptgebäudes vom Ende des 2. bis zum Anfang des 5. Jhs.

Abb. 2: Übersicht über die Ruine des Hauptgebäudes, von Westen2004-2006 wurden die freigelegten Mauern in ihrem Bestand gesichert und mit Hilfe der Stadt Bingen Konzepte für einen Schutzbau entwickelt. Diese Konzepte sollen in den nächsten Jahren schrittweise umgesetzt werden, auch in Hinblick auf die Landesgartenschau 2008 in Bingen. Um weitere Förderung bemüht sich ein im November 2003 gegründeter Förderverein Villa Rustica - Binger Wald e. V.
Die villa soll als lebendige Station des Erlebnispfades Binger Wald zu einem touristischen Anziehungspunkt im Binger Raum ausgebaut werden, gemäß dem Motto des Projekts "Arbeit - Attraktion - Archäologie".

[Abb. 2: Übersicht über die Ruine des Hauptgebäudes, von Westen]

 
Lit.: A. Heising, Durch Vergangenheit Zukunft sichern - Eine römische villa rustica im Binger Wald, Gemeinde Weiler, Kreis Mainz-Bingen. Archäologie in Rheinland-Pfalz 2003 (Mainz 2004) 43-46.