Forschung

 

Einzelprojekte

 


Spätantikes Stadttor

 
Spätantikes Stadttor - DurchfahrtMitte des 3. Jh. n. Chr. erhielt die bis dahin unbewehrte Zivilstadt Mogontiacum/Mainz unterhalb des Legionslagers auf dem Kästrich (Ableitung von "castrum") eine steinerne Stadtmauer. Diese schloß an die Mauer des Militärlagers an, bezog also die Lagermauer auf einer Strecke von etwa 600 Metern in den Stadtmauerbering mit ein. In die später - nach der Mitte des 4. Jh. n. Chr. - durch den Abriß des Legionslagers entstandene Lücke in der Stadtmauer wurde ersatzweise eine spätantike Spolienmauer mit Tor eingefügt. Sie verlief über das ehemalige Lagerterritorium und überdeckte deshalb lagerzeitliche Architekturreste. Ihr Baumaterial könnte aus dem Abbruchmaterial des Legionslagers stammen, z. B. vom ehemaligen Lagerhaupttor (porta praetoria), den Principia oder dem Statthalterpalast.
Spätantikes Stadttor - AufsichtDie 2,70 m breite und noch bis zu 2 m Höhe erhaltene Stadtmauer ist auf 4,10 m Länge unterbrochen und endet jeweils in einander gegenüberstehenden T-förmigen Querzügen aus Spolienquadern, die die Wangen der Torgasse bildeten. Darüber erhob sich in römischer Zeit ein Torturm, der die Stadtmauer überragte.
Spätantikes Stadttor - FahrspurenDen Boden der Durchfahrt bedecken nahezu quadratmetergroße, rote Sandsteinplatten, die fast diagonal zur Mauerachse verlegt sind. Durch den Torbau bedingte unregelmäßige Ausbrüche zeigen an, daß der qualitätvolle Plattenbelag älter als die Toranlage ist und somit nur aus der Zeit des Legionslagers stammen kann. Da der eine unbeschädigte Rand des Straßenbelags auf den vermuteten Standort des ehemaligen Lagerhaupttores ausgerichtet ist, handelt es sich eindeutig um die Überreste der Lagerhauptstraße (via praetoria). Die beim Bau des Tores in den Straßenbelag roh eingelassene Schwelle zeigt zusammen mit Torangel- und Klobenlöchern an, daß die Durchfahrt mit zwei Torflügeln verschlossen werden konnte.
Aufmerksamkeit verdienen die 1,90 m breiten Fahrspuren in der Torschwelle, die sich übrigens stadteinwärts im weiteren Straßenbelag stärker eingeschliffen haben als stadtauswärts, möglicherweise ein Hinweis darauf, daß mit Versorgungsgütern (auch Baumaterial) für die Stadt beladene Fahrzeuge diese Spur benutzten.Spätantikes Stadttor - Detailansicht
Eine didaktische Aufbereitung vor Ort ist ein wichtiges Desiderat.